“Arme Ritter” und “Seid bereit – Immer bereit!”

Mein Name ist Juliane Kästner. Ich wurde im Sommer 1973 in Dresden geboren. Ich entstamme einer Familie von verarmtem Adel und von Unternehmern, die in ein Lager von überzeugten Kommunisten und eines von „feindlichen Kapitalisten“ geteilt war. Dies führte zu interessanten Begebenheiten, Spannungen und intensiven Diskussionen innerhalb der Grossfamilie.

Wenn ich mit meinen Grosseltern, bei denen ich als Kind oft meine Sommerferien verbrachte, durch die verschiedenen Ortschaften der Region fuhr, kommentierten sie ihr Schicksal mit: „Diese Villa oder diese Fabrik hat einmal unserer Familie gehört.“ Wir wurden enteignet.

Kindheit und Kunst

Dresden ist eine Stadt der Künste und meine Eltern sorgten dafür, dass sie mir ins Blut übergingen. Bereits als Vierjährige kam ich in den Genuss von Kunstgalerien, Konzerten, Opern, Ballett- und Theateraufführungen.

Talente wurden in der Deutschen Demokratischen Republik gefördert und so wurde ich zuerst für das klassische Ballett vorgesehen. Ich bestand die Prüfung an der Palucca Hochschule für Tanz und absolvierte aufgrund meines jungen Alters zunächst das Vorjahr. Bei weiteren medizinischen Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass meine Beckenknochen für den Beruf einer Tänzerin nicht geeignet sind. Ich tanzte insgesamt zehn Jahre lang klassisches Ballett, zuletzt am Dresdner Kulturpalast. Da ich an diesem Ensemble unterfordert war, schickten mich meine Eltern in eine Musikschule. In dieser nun kam relativ schnell zum Vorschein, dass ich keine Noten lesen konnte und all die Jahre zuvor rein nach Gehör gespielt hatte. Zeitgleich wurde mein zeichnerisches Talent entdeckt und gefördert. Ich genoss die kreative Arbeit, bis wir den Auftrag erhielten, Propaganda-Poster zu entwerfen.

Marx und Engels: Interpretiert und in die Realität umgesetzt

Meine Eltern brachten mir bei, mir selbst eine Meinung zu bilden, selbständig zu denken. Trotz der Tatsache, dass sie stark unter Druck gesetzt wurden, da sie sich weigerten, in die Partei einzutreten. Ich beobachtete das Leben um mich herum, bildete mir eine Meinung und äusserte diese. Mein Vater wurde mehrfach zur Schuldirektion zitiert und ermahnt, sein Kind im Sinne des Sozialismus zu erziehen.

Aus verschiedenen Gründen stellten meine Eltern schliesslich den Ausreiseantrag auf Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland und die folgenden drei Jahre führten wir eine intensive Beziehung mit der Staatssicherheit. Als damals 14-Jährige begleiteten mich zwei Beamte des Ministeriums, sobald ich das Haus verliess.

Wir konnten nur auf Spaziergängen offen sprechen, in unserer Wohnung wurden wir abgehört. Unsere Briefe wurden geöffnet und gelesen. Nachbarn und einzelne entfernte Familienmitglieder waren als „Inoffizielle Mitarbeiter“ tätig. Undenkbar schwere Ereignisse und Zeiten folgten.

Im Dezember 1988 konnten wir schliesslich das Land Richtung Bundesrepublik Deutschland verlassen, mit einem Koffer in der Hand und dem Status politischer Flüchtlinge. Weniger als ein Jahr später fiel die Berliner Mauer, mitten in den Vorbereitungen unseres Umzugs in die Schweiz, in die uns der berufliche Weg meines Vaters zog.

Meine Familie war mittlerweile ein regelrechter Spezialist im Auswandern. Wir lebten innerhalb eines Jahres in drei Ländern. In der Schweiz begannen wir nun im Dezember 1989 wieder von vorn, unser Leben aufzubauen und ich besuchte inzwischen das vierte Bildungsinstitut innerhalb von zwölf Monaten.

Sturm- und Drangzeit

An der Kantonsschule Solothurn besuchte ich das Wirtschaftsgymnasium. Zur Herstellung eines Gleichgewichts zur rein patriarchalischen Welt der Studentenverbindungen, gründeten wir die Frauenverbindung Adrasteia Solodorensis. Ich wurde in einem der Brunnen in der Solothurner Altstadt auf den Namen „Athene“ getauft, der Göttin der Künste und Weisheit.

An der Universität St. Gallen studierte ich Betriebswirtschaft. Um mein Studium zu finanzieren, arbeitete ich als Hilfswissenschafterin an einem Institut der Universität. Das Gambrinus war ein Jazzlokal in St. Gallen und mein zweites Zuhause. Als Serviceangestellte und Stammgast tauchte ich in die Welt des Jazz ein.

Beruf und ehrenamtliches Engagement

Mein Berufsleben startete ich 1999 als Projektmanagerin, wenig später folgten Tätigkeiten im strategischen und operativen Management. Als Transformation Manager unterstützte ich Unternehmen auf ihrem Weg im digitalen Wandel und setze mein langjähriges Engagement fort, mich intensiv mit alternativen Management- und Leadership-Philosophien aber generell auch mit der Entwicklung der Technologien und unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Ich engagierte mich immer wieder unentgeltlich für den Schutz von Tieren, vor allem aber auch für Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds. Ich nahm an einem Walforschungsprojekt in Südfrankreich teil. Als Mentor und Coach beriet ich junge Frauen mit Migrationshintergrund bei der Berufswahl und bereitete sie auf die Arbeitswelt vor.

Während meines Sabbaticals lebte ich für drei Monate in Nepal und für drei Monate auf den Seychellen. In Pharping, Nepal unterrichtete ich Novizen und Mönche in einem Tibetischen Kloster in Englischer Sprache und Naturwissenschaften. Ich coachte den Supervisor des Klosters in Führungsfragen und führte eine Struktur zur Förderung von Hygiene und Gesundheit ein. Auf der Inselgruppe im indischen Ozean arbeite ich in einem Forschungs- und Naturschutzprojekt in einem geschützten Meeresreservat. Wir führten mehrmals täglich Tauchgänge zur Untersuchung der Erholung von Hartkorallen und Rifffauna durch und stellten der Regierung die Ergebnisse zur Verfügung.

Zurück in der Schweiz gründete ich die Non-Profit-Organisation LIGHTEN THE WAY, die auf neuen Modellen einer kooperativen und selbstbestimmten Entwicklungshilfe basierte. Ich absolvierte dafür die erstmalig in der Schweiz ausserhalb des Bundes angebotene Weiterbildung “Auswärtige Angelegenheiten und Angewandte Diplomatie”.

Künstlerin

Seit meiner Kindheit ist kreatives Arbeiten fester Bestandteil meines Lebens und einer der Schlüssel meiner persönlichen Weiterentwicklung als Mensch. Über die Jahre stieg mein Bedürfnis, meiner Kunst in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen und Techniken mehr Zeit zu widmen. Ich erhöhte daher schrittweise mein Arbeitspensum als Künstlerin und reduzierte jenes als Angestellte. Schliesslich unternahm ich den Schritt, als selbständige Künstlerin zu arbeiten. 

“Arme Ritter” und “Seid bereit – Immer bereit!”

Mein Name ist Juliane Kästner. Ich wurde im Sommer 1973 in Dresden geboren. Ich entstamme einer Familie von verarmtem Adel und von Unternehmern, die in ein Lager von überzeugten Kommunisten und eines von „feindlichen Kapitalisten“ geteilt war. Dies führte zu interessanten Begebenheiten, Spannungen und intensiven Diskussionen innerhalb der Grossfamilie.

Wenn ich mit meinen Grosseltern, bei denen ich als Kind oft meine Sommerferien verbrachte, durch die verschiedenen Ortschaften der Region fuhr, kommentierten sie ihr Schicksal mit: „Diese Villa oder diese Fabrik hat einmal unserer Familie gehört.“ Wir wurden enteignet.

Kindheit und Kunst

Dresden ist eine Stadt der Künste und meine Eltern sorgten dafür, dass sie mir ins Blut übergingen. Bereits als Vierjährige kam ich in den Genuss von Kunstgalerien, Konzerten, Opern, Ballett- und Theateraufführungen.

Talente wurden in der Deutschen Demokratischen Republik gefördert und so wurde ich zuerst für das klassische Ballett vorgesehen. Ich bestand die Prüfung an der Palucca Hochschule für Tanz und absolvierte aufgrund meines jungen Alters zunächst das Vorjahr. Bei weiteren medizinischen Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass meine Beckenknochen für den Beruf einer Tänzerin nicht geeignet sind. Ich tanzte insgesamt zehn Jahre lang klassisches Ballett, zuletzt am Dresdner Kulturpalast. Da ich an diesem Ensemble unterfordert war, schickten mich meine Eltern in eine Musikschule. In dieser nun kam relativ schnell zum Vorschein, dass ich keine Noten lesen konnte und all die Jahre zuvor rein nach Gehör gespielt hatte. Zeitgleich wurde mein zeichnerisches Talent entdeckt und gefördert. Ich genoss die kreative Arbeit, bis wir den Auftrag erhielten, Propaganda-Poster zu entwerfen.

Marx und Engels: Interpretiert und in die Realität umgesetzt

Meine Eltern brachten mir bei, mir selbst eine Meinung zu bilden, selbständig zu denken. Trotz der Tatsache, dass sie stark unter Druck gesetzt wurden, da sie sich weigerten, in die Partei einzutreten. Ich beobachtete das Leben um mich herum, bildete mir eine Meinung und äusserte diese. Mein Vater wurde mehrfach zur Schuldirektion zitiert und ermahnt, sein Kind im Sinne des Sozialismus zu erziehen.

Aus verschiedenen Gründen stellten meine Eltern schliesslich den Ausreiseantrag auf Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland und die folgenden drei Jahre führten wir eine intensive Beziehung mit der Staatssicherheit. Als damals 14-Jährige begleiteten mich zwei Beamte des Ministeriums, sobald ich das Haus verliess.

Wir konnten nur auf Spaziergängen offen sprechen, in unserer Wohnung wurden wir abgehört. Unsere Briefe wurden geöffnet und gelesen. Nachbarn und einzelne entfernte Familienmitglieder waren als „Inoffizielle Mitarbeiter“ tätig. Undenkbar schwere Ereignisse und Zeiten folgten.

Im Dezember 1988 konnten wir schliesslich das Land Richtung Bundesrepublik Deutschland verlassen, mit einem Koffer in der Hand und dem Status politischer Flüchtlinge. Weniger als ein Jahr später fiel die Berliner Mauer, mitten in den Vorbereitungen unseres Umzugs in die Schweiz, in die uns der berufliche Weg meines Vaters zog.

Meine Familie war mittlerweile ein regelrechter Spezialist im Auswandern. Wir lebten innerhalb eines Jahres in drei Ländern. In der Schweiz begannen wir nun im Dezember 1989 wieder von vorn, unser Leben aufzubauen und ich besuchte inzwischen das vierte Bildungsinstitut innerhalb von zwölf Monaten.

Sturm- und Drangzeit

An der Kantonsschule Solothurn besuchte ich das Wirtschaftsgymnasium. Zur Herstellung eines Gleichgewichts zur rein patriarchalischen Welt der Studentenverbindungen, gründeten wir die Frauenverbindung Adrasteia Solodorensis. Ich wurde in einem der Brunnen in der Solothurner Altstadt auf den Namen „Athene“ getauft, der Göttin der Künste und Weisheit.

An der Universität St. Gallen studierte ich Betriebswirtschaft. Um mein Studium zu finanzieren, arbeitete ich als Hilfswissenschafterin an einem Institut der Universität. Das Gambrinus war ein Jazzlokal in St. Gallen und mein zweites Zuhause. Als Serviceangestellte und Stammgast tauchte ich in die Welt des Jazz ein.

Beruf und ehrenamtliches Engagement

Mein Berufsleben startete ich 1999 als Projektmanagerin, wenig später folgten Tätigkeiten im strategischen und operativen Management. Als Transformation Manager unterstützte ich Unternehmen auf ihrem Weg im digitalen Wandel und setze mein langjähriges Engagement fort, mich intensiv mit alternativen Management- und Leadership-Philosophien aber generell auch mit der Entwicklung der Technologien und unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Ich engagierte mich immer wieder unentgeltlich für den Schutz von Tieren, vor allem aber auch für Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds. Ich nahm an einem Walforschungsprojekt in Südfrankreich teil. Als Mentor und Coach beriet ich junge Frauen mit Migrationshintergrund bei der Berufswahl und bereitete sie auf die Arbeitswelt vor.

Während meines Sabbaticals lebte ich für drei Monate in Nepal und für drei Monate auf den Seychellen. In Pharping, Nepal unterrichtete ich Novizen und Mönche in einem Tibetischen Kloster in Englischer Sprache und Naturwissenschaften. Ich coachte den Supervisor des Klosters in Führungsfragen und führte eine Struktur zur Förderung von Hygiene und Gesundheit ein. Auf der Inselgruppe im indischen Ozean arbeite ich in einem Forschungs- und Naturschutzprojekt in einem geschützten Meeresreservat. Wir führten mehrmals täglich Tauchgänge zur Untersuchung der Erholung von Hartkorallen und Rifffauna durch und stellten der Regierung die Ergebnisse zur Verfügung.

Zurück in der Schweiz gründete ich die Non-Profit-Organisation LIGHTEN THE WAY, die auf neuen Modellen einer kooperativen und selbstbestimmten Entwicklungshilfe basierte. Ich absolvierte dafür die erstmalig in der Schweiz ausserhalb des Bundes angebotene Weiterbildung “Auswärtige Angelegenheiten und Angewandte Diplomatie”.

Künstlerin

Seit meiner Kindheit ist kreatives Arbeiten fester Bestandteil meines Lebens und einer der Schlüssel meiner persönlichen Weiterentwicklung als Mensch. Über die Jahre stieg mein Bedürfnis, meiner Kunst in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen und Techniken mehr Zeit zu widmen. Ich erhöhte daher schrittweise mein Arbeitspensum als Künstlerin und reduzierte jenes als Angestellte. Schliesslich unternahm ich den Schritt, als selbständige Künstlerin zu arbeiten. 

Juliane Kaestner

Sind Sie interessiert, mit mir zu arbeiten?

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu lesen oder zu hören.

 
juliane@kaestner.ch
+41 79 256 42 55